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Denkt mal drüber nach!!!

Denkt mal drüber nach!!!

Wer hätte gedacht, dass irgendwann mal ich dazu gehöre. Immer wieder hört und sieht man Geschichten wo Kinder beziehungsweise Jugendliche gemobbt werden. Doch es passte nie in mein Leben und schien doch so weit weg.

Eigentlich fing auch alles ganz harmlos an. Im Sommer 2006 kam ich mit neun weiteren Mitschülern meiner vorherigen Schule auf ein Gymnasium. Alle zehn hatten wir das gleiche Ziel: das Abitur schaffen.
Ich sollte mit vier Freunden in die Klasse A kommen und aufgrund fehlenden Informationen und wahrscheinlich auch aufgrund wenigem Nachfragen kamen wir zu spät in die Klasse. Was für ein Auftritt. Jeder sollte erstmal seinen Namen dem Lehrer nennen und man merkte schnell, dass wir nicht wirklich willkommen sind. Höchstwahrscheinlich waren nicht wir als Mensch ein Problem, zumindestens in dem Moment noch nicht, sondern, dass wir soviele waren und sie einfach Angst hatten, dass wir ihr Klassenklima stören würden.
Wir gewannen auch nie richtig den Anschluss, was vielleicht auch daran lag, dass wir grundsätzlich unter uns blieben. Anfangs dachten wir auch noch es würde irgendwann schon aufhören. Doch wir wurden weiter ausgelacht, wenn wir etwas falsches sagten, Schilder mit „Typisch IGS“ wurden hochgehalten, wenn wir zu irgendwas ermahnt wurden. Ich wurde immer stiller, baute eine Mauer und verlor irgendwann ganz den Halt. Nicht nur die Zensuren ließen zu wünschen übrig, was ja noch auf den Sprung aufs Gymnasium zurückzuführen gewesen wäre, sondern ich fing auch an nichts mehr aus meinem Leben zu erzählen, alle Probleme in mich „hinein zu fressen“ bis ich körperlich und geistig total am Ende war. Doch ich zeigte es keinem. Wenn ich persönlich angefressen wurde, tat ich so als würde ich es nicht hören und wenn meine Freunde sich aufregten, riet ich ihnen das Gleiche. Indirekt haben wir wohl damit aufgegeben und dazu beigetragen, dass sie auch für den Rest der Zeit niemals ganz damit aufhören würden.
Bei einem „Unter-Vier-Augen-Gespräch“ zwischen meiner Freundin und unseren Klassenlehrer erklärte sie ihm unsere momentane Situation. Darauf sprach dieser es dann auch der darauffolgenden Elternversammlung an. Die schien anfangs auch noch zu funktionieren, es wurde auf jeden Fall etwas ruhiger oder es passierte einfach hinter unserem Rücken. In dieser Zeit mussten wir uns von einer Mitschülerin, die mit uns von der IGS gekommen war, verabschieden.
Es folgten 6 Wochen Ferien voller Ruhe und ich sehnte mich am Ende bereits nach der Schule. Nicht weil ich das Verlangen hatte, weiter ausgeschlossen zu werden, sondern weil ich meine Freunde wieder sehen wollte.
Doch sollte das zweite Jahr nicht besser als das Erste werden. Wieder begannen sämtliche Angriffe auf uns und es schien, dass unsere „lieben Mitschüler“ vergessen hatten, was sie doch am Ende des letzten Schuljahr so gut gelernt hatten.
Ich sprach nur selten über diese Probleme mit jemanden und wenn doch, dann nur mit meinen Mitbetroffenen. Eines Tages erzählte ich es jedoch einem weiteren, versuchte ihm meine Gefühle zu schildern. Er gab mir auch einige Ideen, wie man das Problem beseitigen könne, doch ich fühlte mich zu schwach um noch irgendetwas zu machen. Doch ein Wort sollte meinen Kopf so schnell nicht wieder verlassen: „Mobben“ Bis zu diesem Gespräch hatte ich nie ein Wort gefunden um all das zusammen zu fassen und nie hatte ich auch nur daran gedacht, dass ich gemobbt wurde. Doch es war so!
Ich setzte mich in der Zeit danach immer wieder mit dem Wort auseinander und bezog in meine Gedanken auch meine Freunde hinein. Doch es gab nichts dran zu rütteln, wir mussten es endlich wahrhaben.
Nach einem weiteren Gespräch mit unserem Klassenlehrer, der sich darauf die Schüler persönlich zu Brust nahm, folgten weitere Beschimpfungen weil wir uns angeblich nicht an die Sitzordnung hielten und sie nun meinten wir müssten uns einen anderen Platz suchen oder er kamen Begriffe wie „Spasties“
Inzwischen habe ich jegliche Kraft verloren um vielleicht noch ein wenig zu kämpfen und Fragen wie: „Warum tut ihr das?“, „Wieso mit uns?“ oder „Was haben wir euch denn getan?“ schweben durch meinen Kopf und werden wohl immer bleiben…