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Meine (lange) Geschichte

Hi an alle,

Sorry schonmal im Vorraus, das ist jetzt sehr viel Text!

In der 1. und 2. Klasse bin ich noch super mit meinen Klassenkameraden ausgekommen. Als ich dann in die 3. Klasse kam, war meine Klassenlehrerin die Patentante einer Mitschülerin. Diese Mitschülerin ist auch die Tochter des Rektors gewesen und konnte mich absolut nicht leiden. Damit hatte ich eigentlich kein Problem, denn ich hatte viele Freunde. Diese Lehrerin wurde von der ganzen Klasse gemocht und hatte viel Einfluss auf alle. Allerdings konnte sie mich offensichtlich nicht leiden. Mit der Zeit wurde sie mir gegenüber richtig bösartig. Sie hetzte meine ganze Klasse gegen mich auf (die Klasse glaubte ihr jedes Wort), machte meine Sachen kaputt und wenn ich eine Frage gestellt habe oder einen Fehler in einer Rechnung hatte war sie mir gegenüber sehr aggressiv und hat mich sogar mehrmals geschlagen. Sie hat auch üble gerüchte in der Lehrerschaft über mich verbreitet. Die Folgen waren:

– ich wurde jeden Tag von der Klasse zusammengeschlagen (mindestens 20 Schüler prügelten und hielten mich fest)
– mir wurden meine Sachen kaputt gemacht
– ich wurde täglich beleidigt
– mir wurde auch ab und zu mal die Hose runtergezogen
– meine Klasse hat mich oft durch das ganze Schulhaus gejagt
– es wurde auf meine Sachen uriniert
– mir glaubten weder der Rektor und die Konrektorin, die auch die Schulpsychologin war, noch irgend ein anderer Lehrer
– meine Klasse hat es innerhalb von einem Jahr geschafft, dass ich von der ganzen Schule gehasst wurde, dass heißt, dass ich
nicht nur Probleme mit der Grundschülern, sondern auch mit den Hauptschülern hatte, die ja im selben Schulgebäude waren.
Letztendlich hat mich der ganze Ort gehasst, aber es wusste keiner mehr warum.

Da mich das alles so fertig gemacht hat, habe ich es nicht geschafft die Schule zu verlassen um auf ein Gymnasium oder eine Realschule zu wechseln und deshalb musste ich auf der Schule bleiben und die Hauptschule besuchen. Wenn ich den Pausenhof betreten habe (wir durften nicht im Gebäude bleiben und es wurden sogar die Toiletten abgesucht, ob sich nicht doch ein Schüler dort versteckt) wurden Lieder über mich gesungen und Steine nach mir geworfen. Und wenn ich im Unterricht aufgerufen wurde um eine Frage zu beantworten, konnte ich in der nächsten Pause mit Prügel rechnen, denn entweder war ich dann die “sch*** Streberin” oder die “blöde Nuss, die nichts kapiert”.

Als ich in die 7. Klasse kam, haben wir eine Lehrerin bekommen, die ganz neu an unserer Schule war. Und da ich es geschafft habe meinen Ruf bei den Lehrern wieder herzustellen, hat sie von den Schwierigkeiten von der Grundschule nichts mitbekommen. Allerdings habe ich zu diesem Zeitpunkt schon aufgehört mich zu wehren. Wenn meine Eltern beim Rektor waren, dann haben sie eh nur zu hören bekommen, dass sie mir nicht alles glauben dürfen.

Ich habe mit meiner Mutter zwar fast immer darüber geredet, aber sie immer gebeten sich da nicht einzumischen. Diese Lehrerin hat mich lange beobachtet, denn sie hat bemerkt, dass ich nie gelacht habe und auch extrem ruhig war. In der 8. Klasse dann hat sie mich nach dem Unterricht zu sich gerufen und gesagt, dass ihr schon von Anfang an aufgefallen sei, dass etwas nicht stimmt, aber sie wollte mir die Möglichkeit geben, dass ich es ihr von alleine erzähle. Sie hat so lange auf mich eingeredet, bis ich ihr weinend alles erzählt habe. Es hat so gut getan alles einfach herauszulassen. Sie hat das Ganze dann noch eine Zeit bewusst beobachtet und letztendlich hat sie mit der Klasse gesprochen. Daraufhin war zumindest “Waffenstillstand” (gegen ende der 8. Klasse) innerhalb der Klasse, aber nicht auf dem Pausenhof. Von ihr aus durfte ich dann nirgends mehr alleine hin.

Ich hatte damals einen Kumpel in der Klasse, ansonsten hätte ich das wohl nicht ausgehalten. Und dieser Kumpel musste mich überall hin begleiten. Und wenn er nicht da war, dann war meistens eine Lehrkraft an meiner Seite. Ich konnte dann nach der 8. Klasse die Hauptschule verlassen und auf eine berufliche Wirtschaftsschule wechseln, um die Mittlere Reife zu machen. Dort ging es mir dann ein paar Wochen lang gut, aber ich traute mich nicht, mit den anderen zu reden und zuckte oft zusammen, wenn jemand hinter mir stand. Ich hatte wohl ziemlich schnell den Ruf als “komischer Kauz” weg, denn dann ging alles von vorne los. Diesmal aber nur von vereinzelten. Als ich an Krücken gehen musste, wurden mir die Krücken beim Laufen weggeschlagen. Ich wurde als Hypochonder bezeichnet. Die Klasse wusste genau, dass ich Asthma habe und mir die Luft wegbleibt, wenn sie Sprühdeo im Klassenzimmer benutzen. Oftmals gingen sie an mir vorbei und haben mir Deo ins gesicht gesprüht. Zeitweise hatte ich bis zu 3 Anfälle pro Vormittag.

In der 8. Klasse (Wirtschaftsschule) hatten wir auch einen Jungen in der Klasse, der psychisch nicht ganz gesund war (nicht meine Meinung, sondern von einem Psychologen belegt). Von ihm habe ich sogar Morddrohungen bekommen. Er ist mit mir im selben Zug gefahren. Ich bin ausgestiegen, er ist hinter mir hergelaufen, bis zur Straßenbahnhaltestelle. Ist in diesselbe Straßenbahn eingestiegen, in die ich auch eingestiegen bin (ich bin immer erst 2 Straßenbahnen später gefahren, weil ich noch auf eine Freundin gewartet habe). Er ist mir bis ins Klassenzimmer auf schritt und tritt gefolgt und wenn ich stehengeblieben bin, um mir die Schnürsenkel zu binden ist er hinter mir stehen geblieben. Er wollte auch unbedingt neben mir sitzen. Der Typ war nicht nur sehr gewalttätig, sondern auch unheimlich.

Als ich dann die Mittlere Reife gemacht habe, bin ich dann (vor einem Jahr) auf ein Gymnasium gegangen, allerdings nicht mehr in Bayern, sondern in Baden-Württemberg, denn um in Bayern auf ein Gymnasium gehen zu können, brauche ich ein Gutachten des Direktors der Schule, an der ich meine Mittlere Reife gemacht habe. Als ehemaliger Hauptschüler bekommt man die aber von diesem Direktor nicht. Darum lebe ich jetzt in einem Internat und dort geht es mir gut. Die Mädchen im Internat sind einfach total nett und akzeptieren einen, wie man ist. Auch in der Schule komme ich gut klar. Die Meisten wissen, dass ich früher Probleme mit meinen Mitschülern hatte und lassen mir Zeit.

Auch wenn es mir inzwischen ziemlich gut geht, habe ich Nachts noch Albträume und wache total verheult auf. Manchmal habe ich Tage oder auch Wochen in denen ich ständig ein Angstgefühl habe. Und mein Asthma ist wegen diesen Ängsten sehr schwer unter Kontrolle zu bringen.

Es waren 9 Jahre Hölle (3. und 4. Klasse der Grundschule, 5. bis 8. Klasse Hauptschule und 8. Klasse (musste mich zurückstufen lassen) bis 10. Klasse auf der Wirtschaftsschule). Oft denke ich, dass ich einfach nicht mehr leben will oder kann. Eine Freundin vom Internat hat mir beigebracht darüber zu reden. Gut ich kann darüber reden, aber diese Zeit werde ich wohl nie mehr vergessen können. Ich denke immer, dass mich keiner versteht und einige das als Kleinigkeit abtun. Ich selber denke ja ab und zu, dass das ja eigentlich nicht so schlimm ist und dass ich ja selber schuld an allem war.

Aber das Leben geht weiter….

Liebe Grüße Eve