Carla

Carla ist 8 Jahre alt und geht in die 2. Klasse. Im Rahmen der verlässlichen Grundschule wurde eine Pädagogische Hilfskraft eingestellt, die die Schülerbetreuung übernahm. Um auch sonst PR wirksam die Qualität der Schule zu demonstrieren gibt es an der Schule die Projektklasse 2000.

Warum auch immer begann die Pädagogische Hilfskraft Carla ständig bloß zu stellen und vor der Klasse nieder zu machen. Das fand ziemlich rasch den Gefallen von 3 Mitschülerinnen die nun ihrerseits Front gegen Carla machten. Carla wurde gehänselt, als Brillenschlange bezeichnet, hinter ihrem Rücken schlecht über sie geredet und Mitschüler mit Süßigkeiten bestochen: „Wenn du mit Carla nicht mehr redest, bekommst du einen Schokoriegel.“

Das Eltergespräch verlief ergebnislos, denn Carla sei ja schließlich selbst Schuld und da müsse sie eben durch. Carla wurde aus dem Zusatzunterricht genommen und bekam die Schulleiterin als Klassenlehrerin. Zunächst fühlte sich Carla wohl, doch dann begann die „pädagogische Führungskraft“ alle Register gegen das wehrlose Kind zu ziehen. Demütigungen, Beschimpfungen, Ausgrenzungen waren an der Tagesordnung. Carla musste alleine sitzen, von Gruppenarbeiten wurde sie ausgeschlossen, weil sie ja schließlich die Ursache für den ganzen Ärger sei.

Eltern

Carla war mit 4 Jahren Opfer eines sexuellen Missbrauchs. Sie ist deswegen heute in psychotherapeutischer Behandlung. Durch die ständigen Außerungen der Lehrerin, Carla sei dumm, könne sich nicht konzentrieren, würde Aufgaben nicht oder die falschen machen, entschlossen sich die Eltern zu einem Intelligenztest. Ergebnis IQ 115. Die betreuende Psychologin tut sich schwer, da Carla ständig neu beschämt wird. Die Eltern informierten die Schulleiterin von dem Mißbrauch und der Psychotherapie, was sie offensichtlich nicht beeindruckt. Sie führt ihren Feldzug weiter und unternimmt auch nichts gegen das Mobben durch die Mitschülerinnen und Mitschüler.

Einschätzung

Mobbing ist begleitet mit starken Schamgefühlen ähnlich wie bei einem sexuellen Mißbrauch. Carla ist zum 2. Mal beschämt. Scham   als  Folge   entwürdigender  Erfahrungen ist so schmerzhaft, kaum auszuhalten, dass sie abgewehrt werden muss. Eine Form der Schamabwehr  (Stefan Marks, 2007) ist die Emotionale Erstarrung: Gefühle wie Liebe, Trauer, Mitgefühl werden hinter einer steinernen Maske verborgen. Diese emotionale Erstarrung kann zu einer alles durchdringenden chronischen Langeweile bis hin zum Selbstmord führen.

Beim Spaziergan mit ihren Eltern über eine hohe Brücke wollte Carla wissen, ob man da hinunterspringen könne. Der Hilferuf war deutlich !!

Lösung

Es gibt keine Lösung, solange die Schule nicht einsichtig und zu Gesprächen bereit ist. Ein Vorsprechen bei der Schulaufsichtsbehörde wird vermutlich wenig nützen. Diese setzt sich mit der Schulleitung in Verbindung und erfährt dort eine andere Geschichte. Wem darf geglaubt werden? Pflichtgemäß wird der Schulaufsichtsbeamte der Schule glauben und man wird integrative Fördermaßnahmen überlegen. Diese können allerdings nicht durchgeführt werden, weil gerade kein Lehrpersonal vorhanden ist…