Archiv der Kategorie: Aus der Telefonhotline

Realschule in Niedersachsen

Der Fall:

Nico ist 11 Jahre alt und geht in die 5. Klasse einer Realschule. Er war ein sehr guter Schüler, hochsensibel, mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn.
Es begann harmlos, mit den üblichen Hänseleien. Wenn Nico sich meldete, lachte man über ihn, nannte ihn Klugscheißer, Besserwisser.

Er zog es daher vor, sich im Unterricht nicht mehr zu melden. Die Mitschüler änderten darauf hin ihre Strategie und begannen ihn in der Pause auszugrenzen. Sämtliche Freundschaften wurden ihm von Mitschülern kaputt gemacht. Seinen Freunden drohte man Schläge an. Dann wurden ihm seine Schulsachen weggenommen oder beschädigt.

Die Reaktion der Schule: Nico hat keine Freunde, er schließt sich aus, er müsste sich halt anpassen. Er ist selbst Schuld an seiner Situation.

Als man ihn körperlich attakierte begann er sich zu wehren. Dabei gingen die Täter so geschickt vor, dass Nico von den Lehrern beim sich Wehren erwischt wurde.

Die Reaktionen der Schule: Nico wurde nicht angehört, die Klassenlehrerin „Ich will von dir nichts mehr hören“, Strafarbeiten.

Die Verletzungen von Nico wurden ignoriert, Mitschüler die gegen Nico sind befragt und ihnen geglaubt. Nicos schulische Leistungen wurden schlechter, was die die Lehrer in ihrer vorgefassten Meinung bestätigte: „er ist ein Unruhestifter, ein Psycho.“

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Der Krieg der Klassenlehrerin

Lena ist 18 und besucht die 12. Klasse eines Gymnasiums. Sie ist eine fleißige Schülerin, die das Abitur anstrebt (G9). Daneben ist sie auch im Streitschlichterprogramm der Schule engagiert, das von der Klassenlehrerin betreut wird.

Da Lena das Abitur wichtig ist, scheidet sie aus dem Streitschlichterprogramm aus, um mehr Zeit zum Lernen zu haben. Desweiteren zieht sie mit einer Freundin in eine gemeinsame Wohnung, mit Billigung und Unterstützung ihrer Eltern. Kaum hat sie ihren Ausstieg aus dem Streischlichterprogramm verkündet, beginnt die Klassenlehrerin mit missionarischem Eifer einen Feldzug gegen Lena.

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Carla

Carla ist 8 Jahre alt und geht in die 2. Klasse. Im Rahmen der verlässlichen Grundschule wurde eine Pädagogische Hilfskraft eingestellt, die die Schülerbetreuung übernahm. Um auch sonst PR wirksam die Qualität der Schule zu demonstrieren gibt es an der Schule die Projektklasse 2000.

Warum auch immer begann die Pädagogische Hilfskraft Carla ständig bloß zu stellen und vor der Klasse nieder zu machen. Das fand ziemlich rasch den Gefallen von 3 Mitschülerinnen die nun ihrerseits Front gegen Carla machten. Carla wurde gehänselt, als Brillenschlange bezeichnet, hinter ihrem Rücken schlecht über sie geredet und Mitschüler mit Süßigkeiten bestochen: „Wenn du mit Carla nicht mehr redest, bekommst du einen Schokoriegel.“

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Seifenpeter

Auch die folgende Geschichte wurde uns an der Telefonhotline berichtet. Die völlige Verzweiflung der Mutter und ihre nachhaltige Bitte um Hilfe hat uns veranlasst – bei aller gegebener Subjektivität – den Fall hier darzustellen:

Bei Peter wurde ADHS diagnostiziert als er 5 Jahre alt war. Er ist in medizinischer Behandlung und wird mit Medikamenten „eingestellt“. Die Einschulung in eine normale Grundschule wollen die Eltern nicht. Ihnen wird von einer Psychologin geraten, ihn in eine Förderschule für Lern- und Erziehungshilfe zu geben.

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Hochbegabter Sonderschüler

Als Michi in der zweiten Klasse war, sanken seine Leistungen plötzlich ab. Er beteiligte sich nicht mehr am Unterricht, wurde von Mitschülern verprügelt und zog sich weiter zurück.

Die Grundschullehrer „mit langjähriger Erfahrung“ erkannten sofort, dass hier eine Lernbehinderung vorliegen müsse. Gegen den Widerspruch der Eltern wurde eine Überprüfung auf sonderpädagogischen Förderbedarf L (Lernbehinderung) durchgeführt. Die Eltern ließen einen Intelligenztest durchführen. Ergebnis: IQ 158 – Hochbegabung. Michi wurde aus der 2. Klasse dieser Grundschule genommen und an eine andere Schule überstellt.

Dort gab es keine Probleme mit Mobbing und Michi hatte am Ende der 3. Klasse auch den Stoff von Klasse 4 gleich gelernt. Der angestrebte Wechsel ins Gymansium wurde ihm verweigert, weil er keine Grundschulempfehlung vorweisen konnte. Die gibt es erst in Klasse 4. Nach zähem Ringen fand sich schließlich ein Gymnasium, das ihn in Klasse 5 aufnahm.

Fazit:

Den Experten mit ihrer langjährigen Erfahrung ist dringend anzuraten, das „Leistungsverhalten“ ihrer Schüler etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und nicht vorschnell abzuurteilen. Es könnte ja sein, dass ein Hochbegabter mit totaler Unterforderung frustiert und gelangweilt in der Klasse sitzt und auf adäquate Förderung wartet.

ADHS und Opferrolle

mein Sohn ist 10 Jahre alt, leidet an ADHS und geht in die 4.Klasse. Er wird schon seid sehr langer Zeit permanent gemobbt.

Die Situationen sind: er wird mit einem Spottlied begrüßt, in den Pausen abgefangen, sobald er im Konflikt mit einem Mitschüler ist, verabreden sich einige Mitschüler um es ihm `heimzuzahlen`.

In seinem Zeugnis schreibt die Schule `Er ist mittlerweile in weniger Konflikte verwickelt, hat aber nach Zwischenfällen ein unkontrolliertes Verhalten und kann nicht sein Verhalten reflektieren`

Nun frage ich mich aber,wie kann ein Kind sein Verhalten reflektieren wenn es grad kurz zuvor eine extrem Situation erlebt hat !! Ich will nur noch mein Kind schützen aber ich weiß nicht mehr wie !! Die Klassen Lehrerin sagt es ist Mobbing und ich soll jeden kleinsten Zwischenfall melden. Nur ich habe das Gefühl das es viel schlimmer wird sobald die Lehrerin reagiert !!! Ich habe Angst um mein Kind,da er eh schon depressiv war!! Klassenkonferenzen zeigen keine Wirkung etc..

Dann kommt noch hinzu,wenn er die Schule wechselt dann hat er die betreffenden Kinder wieder in seiner Nähe. Aber ich möchte ihn auch nicht aus seiner Umgebung nehmen.Kann ich eh nicht,weil ein Kind z.B. unser unmittelbarer Nachbar wird und auch u.A. unsere Spielfläche mit benutzt. ….

Informationen zur Lösung

ADHS Kinder sind offensichtlich wesentlich schneller in der Opferrolle als andere Kinder. Sie gehören zu den sog. provozierenden Opfer, weil sie einen starken Gerechtigkeitssinn haben und sehr lautstark protestieren. Lehrer neigen dazu, diese Kinder zu Tätern abzustempeln, weil sie häufig  nur die Gegenreaktion mitbekommen. Zumindest im Fallbeispiel hat die Lehrerin die Opferrolle erkannt.

Sehr befremdend ist der Zeugniseintrag “ hat unkontrolliertes Verhalten , kann nicht reflektieren“. Welch ein Anspruch an einen 10 Jährigen.

Warum die Mobbingattacken nach einer Intervention seitens der Schule stärker werden lässt folgenden Rückschluss zu.

Immer wieder glaubt die Schule, wenn mit den Tätern, mit der Klasse geredet wurde, wenn ein Täter-Opfer Gespräch stattgefunden hat ( ggf. auch durch Streitschlichter) sei die Angelegenheit erledigt denn sie hätten etwas unternommen. DAS GEGENTEIL IST DER FALL, wie zahlreiche Studien belegen und wie im Fallbeispiel erlebt!

Siehe dazu auch: Mobbe und herrsche oder die Datei Lehrerirrtümer zum Download .

Zur Idee des Schulwechsels oder Klassenwechsels

Das ist zunächst keine gute Idee. Ein Wechsel sieht das Schulgesetz als Ordnungsmaßnahme (Strafe) vor. Das bedeutet, dass das Opfer zusätzlich bestraft wird. Es gibt keine Garantie, dass es woanders besser wird, denn im Zeitalter von Internet, Handy und SMS eilen entsprechende Informationen dem Opfer voraus. Zudem sollte herausgefunden werden, warum ein Kind zum Opfer wird und daran muss gearbeitet werden. Solange das nicht bekannt ist, wird ein alleiniger Wechsel nur vorübergehend helfen.

Stellen Sie sich vor ihr Auto rostet (Mobbing). Warum glauben Sie dass der Rost besser wird, nur wenn Sie künftig woanders parken (Schulwechsel)?  ( Das tun sie natürlich nicht!)

Zugegeben, es gibt noch ein paar wenige (?) sehr resistente Schulen mit uneinsichtigen Lehrern und da ist ein Schulwechsel eine echte Befreiung. Es ist Aufgabe der Schule das abzustellen und wenn die nicht wissen wie, haben auch sie Informationspflicht. Was so in den einzelnen Bundesländern von den Ministerien vorgesehen ist sehen Sie hier.

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