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Niederbayern

Tatort:

Eine kleine streng katholische Gemeinde irgendwo in Niederbayern, dort wo die alten katholischen Tradition noch gelebt werden. Es gibt feste, unveränderbare Regeln und Rituale.
Sonntags geht man in die Kirche, die Männer danach zur Weißwurst und Hefeweizen. Ordnung und Sauberkeit werden groß geschrieben, was an der Schnitthöhe des Rasens gemessen werden kann. Die Frauen sind im Bienenzüchter- und Trachtenverein engagiert, Männer üben im Schützenverein oder im Lokalfußball. So läuft das schon seit “Jahrhunderten” und wehe es kommt ein Neuer.

Störenfried:

Da zieht jetzt plötzlich eine alleinerziehende Mutter mit 3 Kindern und 4 Hunden ins Dorf. Argwöhnisch wird beobachtet, was die so treibt. Ihr einziges Plus – derselbe Dialekt – ist schnell verspielt. Da gibt es keinen Mann, der für Zucht und Ordnung sorgt. Der Garten wird nicht gepflegt – es ist ein Biogarten – und der Rasen wird von einer Ziege “gemäht”. Da die Frau selbstständig ist, kümmert sie sich um ihr Geschäft und nimmt an den Dorfaktivitäten nicht teil, schließlich müssen 3 Kinder und die Tiere ernährt werden.

Der Vorwurf:

Schnell ist sie den Einheimischen ein Dorn im Auge. Es wird spekuliert, verleumdet, schlecht geredet, sie wird gemobbt. Die Hunde haben die Frechheit, Frauchen durch Bellen zu begrüßen. Das stört die friedliche Ruhe und es wird ein Bellverbot angestrebt. Eigens dazu gibt es eine Bürgerversammlung auf dem Rathaus und auch der Ortsvorsteher vertritt die Ansicht, dass die Hunde nicht mehr bellen dürfen. [ Trotz mehrfachen Anschreibens, bellen die Hunde immer noch. Vielleicht konnten Sie das Amtsdeutsch nicht lesen ? ] Bei der Versammlung kommt eine weitere Ungeheuerlichkeit zu Tage. Die Ziege war über den Zaun geklettert und hielt sich 5 Minuten auf dem Schnittrasen des Nachbars auf. Als Beweis wurde ein Foto vorgelegt.
Der arme Nachbar kann nun seine Kinder nicht mehr auf der 8000 Quadratmeter großen Fläche spielen lassen, weil sie durch die Ziege “kontaminiert” ist. Es wird über eine amtlich verordnete Schlachtung nachgedacht!

Lösung:

Ein eingeschalteter Anwalt macht keine Hoffnung. Er war selbst Bewohner dieser Idylle und erklärte seiner Mandantin: “Was glauben Sie, warum ich hier weggezogen bin”? Wegziehen ist keine Alternative für die Frau. Eine aussichtslose Situation?
Nicht ganz: Es bleibt der Weg zur Kirche. Eventuell kann Hochwürden in seiner sonntäglichen Predigt ein wenig auf seine Ziegen, pardon Schäfchen einwirken. In wieweit der “HERR” durch die Fürbitte seines Dieners Wirkung als Hundeflüsterer erzielt, muss ausprobiert werden.  Vielleicht ließe sich RTL auch zu einer neuen Realityserie überreden: “Leben in Niederbayern, von Wundern und sich wundern”.

 

Ozapft is!